Wahlprogramm der FDP - Mehr Chancen durch mehr Bildung, Forschung und Innovation

Programmdiskussion

Mehr Chancen durch mehr Bildung, Forschung und Innovation

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Bildung ist das zentrale Bürgerrecht, das die Lebenschancen von jungen Menschen in der Wissensgesellschaft bestimmt. Die persönliche Entwicklung, die gesellschaftliche Integration und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind abhängig vom Bildungsstand des Einzelnen.

Die FDP setzt auf maßgeschneiderte Bildungsangebote, damit sich unterschiedliche Persönlichkeiten gut entwickeln können. Eine Bildungspolitik, die mit Einheitsschulen alle Jugendlichen über einen Kamm schert, lehnen wir ab. Unser Ziel: ein durchlässiges Bildungssystem, das jedem ermöglicht, sich durch Anstrengung den Erfolg zu erarbeiten.

Nicht Ergebnisgleichheit am Ziel, sondern Chancengleichheit am Start ist das Markenzeichen liberaler Bildungspolitik. Mit unserer Politik für mehr Bildung, Forschung und Innovation gehen wir wahre soziale Schieflage in Deutschland an und eröffnen mehr Menschen neue Perspektiven.

Abstimmungsergebnisse

Die Ergebnisse der Abstimmung zum ersten Themenkomplex „Mehr Chancen durch mehr Bildung, Forschung und Innovation“ für das Deutschlandprogramm 2009 liegen jetzt vor.

Ergebnisse der ersten Abstimmung


Thesen
Die Themen Diskussion Diskussionsstand Originaltext
Mehr Qualität im Bildungswesen
Frühkindliche Bildung stärken
Die freie Schule
Erziehung für die Freiheit
Reform der beruflichen Bildung
Lebenslanges Lernen
Autonome Hochschulen
Stipendien- und Darlehenssysteme
Forschungsfreiheit
Für eine Ethik des Heilens

Mehr Chancen durch mehr Bildung, Forschung und Innovation

Mehr Qualität im Bildungswesen

Die Qualität des deutschen Bildungswesens muss besser werden. Wir setzen dafür auf die Freiheit der Bildungseinrichtungen. Die Länder geben nur Ziele vor und überprüfen ihre Einhaltung. Den Weg dorthin überlassen wir den einzelnen KiTas und Schulen. Dazu geben wir ihnen den notwendigen Spielraum: Sie entscheiden selbst, wie sie ihre Mittel einsetzen. Und sie stellen ihr Personal selbst ein. Die Höhe der Zuwendungen richtet sich vor allem nach der Zahl der Schüler. So entsteht ein Wettbewerb um das beste Bildungsangebot. Ergebnis: Mehr Qualität, vielfältige Schulprofile und individuelle Fördermöglichkeiten. So findet jeder, den für ihn richtigen Bildungsweg. Die Kultusministerkonferenz hat beim Neubau des Bildungssystems versagt und wird in eine unbürokratische, schlanke Bildungskonferenz umgebaut.

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Frühkindliche Bildung stärken

Die optimale Bildung von Beginn an ist der entscheidende Faktor für das Wohl jedes Einzelnen und damit der Gesellschaft. Deshalb muss schon der Kindergarten einen klaren Bildungsauftrag verfolgen. Damit jedes Kind davon profitiert, braucht es einen Anspruch auf einen Halbtagskindergartenplatz bereits im dritten Lebensjahr; nach und nach soll dieser ab dem vierten Lebensjahr für die Eltern entgeltfrei sein. Im Mittelpunkt frühkindlicher Bildung steht die Förderung von Sprachfähigkeit und sozialer Kompetenz. Unser Ziel: Jedes Kind muss beim Eintritt in die Grundschule dem Unterricht folgen können. Dazu sind verbindliche Sprachtests bereits mit Beginn des vierten Lebensjahres notwendig sowie eine Startklasse im Jahr vor der Einschulung. Die Kosten für die Kinderbetreuung müssen bis 12.000 Euro im Jahr steuerlich geltend gemacht werden können.

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Die freie Schule

Wir wollen die Vielfalt des gegliederten Schulsystems erhalten und durch ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen mit eigenem pädagogischen Konzept ergänzen. Um Lernbereitschaft und Wissensdrang der Kinder zu nutzen, setzen wir auf einen möglichst frühen Schuleintritt ab dem vollendeten fünften Lebensjahr. Eltern und Schüler sollen ihre Schulen frei wählen können; mehr private Schulen sichern dabei den qualitätsfördernden Wettbewerb. Dieser schafft zudem Freiräume für systematische Förderung – sowohl von Lernschwachen als auch von Begabten. Bereits ab der ersten Klasse soll es Fremdsprachenunterricht geben; der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht muss aufgewertet werden.

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Erziehung für die Freiheit

Bildung hat die Aufgabe, Schülern die Werte der Freiheit, der Toleranz und der Weltoffenheit zu vermitteln. Die Basis für die Akzeptanz unserer demokratischen Gemeinwesens und unserer liberalen Bürgerrechte wird in den Schulen gelegt. Sie müssen zudem Neugierde und Kreativität fördern, zu Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative ermuntern und den Teamgeist stärken. Hier werden die Medien-, Kommunikations- und Sprachkompetenzen erworben, die in einer eng vernetzten Welt existenzwichtig sind. Vernachlässigte Lernziele müssen stärker in den Mittelpunkt rücken: ein positives Verständnis für die Grundbedingungen der Marktwirtschaft und die Chancen moderner Technologien. Ein Aspekt ist eine stärkere Berufsorientierung: Betriebserkundungen, Praktika und Bewerbertraining müssen fester Bestandteil des Unterrichts sein.

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Reform der beruflichen Bildung

Mit einer Exzellenzinitiative Berufsbildung wollen wir das Image der beruflichen Ausbildung verbessern: Sie ist auch für leistungsstarke Jugendliche eine Alternative und eröffnet Perspektiven für eine berufliche Karriere! Wir setzen weiterhin auf die duale Ausbildung in Berufsschulen und in Betrieben; so bleiben Ausbildungsinhalte auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung. Wo möglich, soll die Ausbildung in Stufen erfolgen und auch eine nur zweijährige Berufsausbildung angeboten werden. Diese Modularisierung erlaubt Jugendlichen, schrittweise Teilqualifikationen zu erwerben und in einem Ausbildungspass bestätigt zu lassen. Jede Stufe eröffnet dabei einen Weg ins Berufsleben – so haben auch praktisch Begabte bessere Chancen.

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Lebenslanges Lernen

Technologische Innovationen, insbesondere im Bereich der neuen Medien, machen die ständige Weiterbildung so nötig wie nie zuvor. In Deutschland ist das noch viel zu wenig Menschen bewusst – eine Offensive Weiterbildung soll das ändern. Wir meinen: Möglichst viele Menschen müssen in der Lage sein, aus den technologischen Veränderungen einen persönlichen Nutzen zu ziehen. Das setzt voraus, dass sie die Möglichkeit haben, durch lebensbegleitendes Lernen mit der Entwicklung Schritt zu halten. Auch in diesem Bereich setzen Liberale auf die Vielfalt und den Wettbewerb der Träger und der Angebote. Zur Finanzierung der Fortbildungsmaßnahmen sollen begünstigtes Bildungssparen und Bildungskredite dienen. Die nachholende Weiterbildung junger Erwachsener erfolgt vernetzt mit der betrieblichen Ausbildung.

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Autonome Hochschulen

NRW hat es mit dem Hochschulfreiheitsgesetz vorgemacht: Universitäten und Fachhochschulen dürfen über Finanzen, Personal und Organisation selbst entscheiden. Damit alle Studierenden in Deutschland von der Autonomie der Hochschulen profitieren, wird sie im Grundgesetz festgeschrieben. Für mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen und den einzelnen Studiengängen richtet sich die staatliche Finanzierung künftig nach der Zahl der eingeschriebenen Studierenden; die ZVS wird abgeschafft und die Neugründungen privater Hochschulen erleichtert. Die Hochschulen können Studienentgelte zur Qualitätsverbesserung der Lehre erheben. Das sind die Voraussetzungen für exzellente, an den Wünschen der Studierenden und des Arbeitsmarktes orientierte Hochschulausbildung.

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Stipendien- und Darlehenssysteme

Neben staatlicher Grundförderung und Drittmitteln sind Studienentgelte wichtige Elemente der Hochschulfinanzierung. Dabei gilt: Kein Talent darf verloren gehen! Deshalb bekommen die Hochschulen von Bund und Ländern finanzielle Anreize, private Mittel zur Einrichtung von Stipendienfonds einzuwerben. Mit diesem Stipendiensystem steigern wir den Anteil der geförderten Studierenden von jetzt 2 % mittelfristig auf 10 %. Der Einzelne erhält die Unterstützung unbürokratisch und unabhängig vom Verdienst der Eltern; nur seine fachliche Begabung zählt. Außerdem: Kredite für Studienentgelte sollen erst nachlaufend, also nach Eintritt in das Berufsleben getilgt werden müssen. Bei alldem muss der Staat den Rahmen schaffen, um die Sozialverträglichkeit zu gewährleisten.

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Forschungsfreiheit

Deutschland braucht ein positives Forschungsklima, frei von ideologischen Debatten. Die herrschende oft angstbesetzte Kultur des Risikos muss sich in eine zukunftsoptimistische Kultur der Chancen wandeln, in der die Herausforderungen tatkräftig angegangen werden. Die FDP will der in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerten Wissenschafts- und Forschungsfreiheit in einem umfassenden Sinne Geltung verschaffen. Dazu zählt z. B. die Förderung der Biotechnologie, die mit ihrem Nutzen für die Bereiche Gesundheit, Pharmazie, Energie oder auch für den Umwelt- und Klimaschutz neue Chancen eröffnet. Gerade vor dem Hintergrund, dass Deutschland die sichersten Kernkraftwerke der Welt besitzt, muss darüber hinaus die Kernsicherheits- und Entsorgungsforschung auf hohem Niveau erhalten und weiter ausgebaut werden.

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Für eine Ethik des Heilens

Die Freiheit der Forschung steht für Liberale im Dienst des Menschen. Dies betrifft insbesondere die embryonale Stammzellforschung. Diese ist nicht nur Grundlagenforschung, sondern greift auch weit in die Zukunft therapeutischer Maßnahmen für heute noch nicht behandelbare Krankheiten aus. Um den deutschen Spitzenplatz in der Forschung zu erhalten, muss die geltende Stichtagsregelung entfallen. Sie ist willkürlich und zwingt die Forscher dazu, Zelllinien zu verwenden, die keine ausreichende Qualität haben, um in jedem Fall zu verlässlichen Forschungsergebnissen zu kommen. Wer die Stammzellenforschung durch immer neue Hürden hemmt, verspielt die Hoffnung, bisher unheilbare Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer und Parkinson besser verstehen und therapieren zu können.

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